29.6.06
Not mit Noten
Ranjit, ein Softwareentwickler in Banglore, erzählt von einem gescheiterten Anreizsystem. Es wurden die Leistungen von Mitarbeitern benotet. Die Personalabteilung erwartete, dass die Vergabe der Normalverteilung zu gehorchen habe. Schlecht für ein Team, in dem die Besten einiger Abteilungen zusammengefasst wurden. Einige mussten eine sehr schlechte Note erhalten wegen der erforderlichen Normalverteilung mit verheerenden Auswirkungen auf die Moral...
Kommissar McCreevy an MdEP van Buitenen (Antwort auf parlamentarische Anfrage)
In dit stadium kan de vraag op welke wijze de toepassing van het communautaire octrooirecht gewaarborgd zou zijn bij de invoering van een stelsel voor geschillenbeslechting (EPLA) niet worden beantwoord.
Auf deutsch: McCreevy kann und will nichts zu EPLA sagen. Van Buitenen hat sehr ins Detail zielende kritische Fragen aufgeworfen bzgl. des institutionellen Arrangements von EPLA.
Hohenkammer Workshop der EPO
Executive summary of the Hohenkammer workshop between the members of the Administrative Council, other European Policy Makers and members of the EPO(PDF)
Ein faszinierender Bericht über die Zukunftspläne bei der EPO, der wie auch schon das WIPO Open Forum gewisse depressive Züge annimmt.
The aim of that workshop was to collectively use the information of the work currently being undertaken on the EPO Scenarios project to reflect on how the future of patenting and intellectual property might evolve over the next 15-20 years, at both European and global level.
Aus den Interviews ergab sich zur Zukunft des Systems:
Views ranged from denial, i.e. that possible threats were an 'incorrect perception' in one group to agreement that system would undoubtedly change in another. It was felt that the patent system was likely to be used as a 'surrogate' or lightning rod for other issues not directly related to IPR.
Die Sprachenvielfalt und der damit verbundene Streit ist bekanntlich ein Problem eines europäischen Binnenmarktpatentes (das bekanntlich aus diesem Gründen auf Eis gelegt wurde), betrifft aber auch die EPLA-Lösung der EPO.
Comments on the language issue included 'problem insurmountable' and 'too early to be thinking of this'.
Das ist schon seltsam bei einem Workshop mit einer 15-Jahr Perspektive. Auch die Entmachtung oder Neudefinition nationaler Patentämter scheint politisch nicht durchsetzbar:
At present, there appears to be no clear future role for the NPOs, along with concerns that a downgrading of their role would not be politically realisable, nor desirable as it would be to the detriment of domestic industry and SMEs.
Die Beziehung zur Öffentlichkeit ist ein weiteres Problemfeld
There were many comments on the inability of society to understand the complexity of the system. One group held the belief that the power of pressure groups was overestimated: 'decisions on the future of IP would be taken on sound judgement rather than single interest groups'. Technology has enabled individuals to identify their needs, so creating new tensions within kaleidoscopic society.
gegen das Volksbildung angeführt wird:
Public education was a strong theme. An EU approach to promote the positive aspects of IP was considered necessary, and 'incorrect claims should be
countered'.
Für die Pathologisierung werden Szenarien gebildet: Anpassungsfähigkeit an den Wandel, Konflikt mit der Wettbewerbspolitik, Konservatimus, geistige Störungen.
In addition to the issues raised above, several interesting dilemmas were identified
by the workshop. These too will be incorporated into the scenarios:
• Increasing tensions between the speed and scale of change (characterised
by the unregulated marketplace) and the intractable structures of governance
• Increasing tensions between globalising interests and efficiency (capacity,
time and money wasted) and national needs/government intervention (R&D
expenditure, tax and competition policy)
• The geo-political differences regarding adaptability: The pragmatism of
emerging countries and their willingness to adapt to a changing environment,
unlike Europe
• Human psychology in the face of turbulence and change: Denial, anger,
bargaining often precede acceptance in the face of uncertainty, so that
responses such as increasingly rigid controls rather than adaptive
mechanisms are implemented.
Es wird deutlich wie stark eine Institutionalisierung von Interessen fortgeschritten ist, dazu noch als kurz dieses insgesamt sehr bezeichnende Zitat:
There was much concern regarding the ability to enforce quickly as failure could result in the adoption of alternative models of protection.
Ja und? Nur auf den ersten Blick wirkt das folgende seltsam.
Theological views, perspectives of young people and cooperation with the
private sector are missing.
Theologische Perspektiven, gemeint dürfte dabei vor allem die islamische Sicht sein, die auf internationaler Ebene eine neue Duftnote einbringt und von ganz anderen Voraussetzungen ausgeht. "Junge Leute" klingt nach PR-Aktivitäten und "Kooperation mit der Privatwirtschaft" dürfte ein wichtiges Zukunftsthema sein.
28.6.06
Starke Stücke
Jetzt wird das Software-Patent Trollphänomen schon auf eine Ebene mit dem Terrorismus gehoben. Was für ein lächerlicher Verbalradikalismus.
Übrigens stammt der Begriff Patenttroll nicht von 2001 und auch nicht von Detkin. Andererseits könnte er von Intel stammen, ist aber deutlich älter. Im allgemeinen sollte man solche Begriffe überhaupt vermeiden. Der ganze Artikel ist einfach nur peinlich.
Patent terrorism is perpetrated by 'patent trolls,' who are also called 'patent terrorists.' The term 'patent troll' was coined in 2001 by Peter Detkin, assistant general counsel for Intel, when he defended Intel against lawsuits by companies claiming to hold microprocessor patents of 'critical' importance.
Übrigens stammt der Begriff Patenttroll nicht von 2001 und auch nicht von Detkin. Andererseits könnte er von Intel stammen, ist aber deutlich älter. Im allgemeinen sollte man solche Begriffe überhaupt vermeiden. Der ganze Artikel ist einfach nur peinlich.
Ein Auge auf den Kaffee geworfen
Oh je, welche Wissenschaft. Forschung in der Kaffeküche. Und das Resultat: Augen sind besser als Blumen für Sozialverhalten.
Mal sehen, ob der Automat mir demnächst mein Pfand zurück gibt, wenn ich ihn ganz böse ansehe.
In einer Kaffeeküche der Universität klebten Bateson ... Bilder von menschlichen Augenpartien auf den Küchenschrank ...., der die Besucher um einen Geldbeitrag bat. Nach einer Woche wurden die Augen gegen ein Blumen-Foto ausgetauscht. ...
Ergebnis: Klebten die Augenbilder an der Schranktür, zahlten die Kaffeetrinker – die von dem Experiment nichts wussten - im Durchschnitt 2,76 Mal mehr für ihre Getränke, als wenn das Blumenplakat dort hing.
Mal sehen, ob der Automat mir demnächst mein Pfand zurück gibt, wenn ich ihn ganz böse ansehe.
Bote von der NYtimes gesteinigt
Hier kriegt die NYTimes eins auf die Nase, weil sie über die Nutzung der SWIFT Daten durch die Vereinigten Staaten zur Terrorbekämpfung berichtet hat.
Nun ist die Sache aber doch ein wenig komplizierter:
* Swift hat seine Zentrale in Europa, in Belgien
* Finanzmärkte reagieren sehr sensibel auf Transaktionsüberwachung und eine Verletzung des Bankgeheimnisses
* Diese Daten ermöglichen grundsätzlich Wirtschaftsspionage und sind geldwerte Vorteile.
* Über Datenschutzbestimmungen wurde nichts bekannt.
Zu argumentieren, die NYTimes habe das nur veröffentlicht um dem Ansehen der USA zu schaden, ist leicht durchschaubarer Unsinn. Hier soll der Bote erschlagen werden. Der aber wird weiter seinen Ruf verteidigen. Die NYTimes ist für recht guten Journalismus bekannt. Es ist einfach schauerlich, wenn Politiker und andere Medienleute investigative Journalisten vorführen, statt die Vorwürfe aufzuklären.
Nun ist die Sache aber doch ein wenig komplizierter:
* Swift hat seine Zentrale in Europa, in Belgien
* Finanzmärkte reagieren sehr sensibel auf Transaktionsüberwachung und eine Verletzung des Bankgeheimnisses
* Diese Daten ermöglichen grundsätzlich Wirtschaftsspionage und sind geldwerte Vorteile.
* Über Datenschutzbestimmungen wurde nichts bekannt.
Zu argumentieren, die NYTimes habe das nur veröffentlicht um dem Ansehen der USA zu schaden, ist leicht durchschaubarer Unsinn. Hier soll der Bote erschlagen werden. Der aber wird weiter seinen Ruf verteidigen. Die NYTimes ist für recht guten Journalismus bekannt. Es ist einfach schauerlich, wenn Politiker und andere Medienleute investigative Journalisten vorführen, statt die Vorwürfe aufzuklären.
Westdeutsche Zeitung gegen Blinde
Ein Blinder wurde vom Westdeutschen Verlag angegangen, weil er - in Übereinstimmung mit dem bulgarischen Urheberrecht - Inhalte für Braille-Geräte (Kommunikationsmittel für Sehbehinderte) bereit gehalten hat. Ilia Bazliancov, CEO von Bulgra Systems, schrieb:
Blog der Bulgarier.
The creator of the website,Victor, who is also blind is supporting it on his own and without any financial profit. Although he removes the texts in question, he mentions
this case to his friend Dr. Grigor Gatchev, who is recognized translator, an author and well-known blogger. ... On the evening of 14th of May Dr. Grigor Gatchev writes about the story in details in his personal blog and hundreds of people express their righteous outrage towards the immoral behavior of the financially strong publishing house. ...Publishing house ‘Trud’ [Westdeutsche Tochter] is furious and wants revenge contacting the main department for combating organized crime to demand the closure of the website although the texts in question are long gone.
Blog der Bulgarier.
Die Ü-Berlegung
Gerade eine alte Herald Tribune gefunden, die ich mit auf der Zugfahrt von Instanbul nach Sofia dabei hatte. Dabei ging es vorbei am Bahnhof
So, jetzt kann die IHT weggeworfen werden.
Gar Gümrükund weiter notierte ich mir auf der Zeitung
Müdürlügü.
So, jetzt kann die IHT weggeworfen werden.
26.6.06
Google und die indizierten Schuldaten
Schauerspiel. Eine Schule im amerikanischen Hinterland, die zu dumm war ihren Server zu administrieren, geht gerichtlich gegen Google vor.
Mehr muss man wohl nicht hören...
School system officials say Google broke through the password and username protected server the information was stored in and took a photo of the page, which it posted to the Internet.
Mehr muss man wohl nicht hören...
25.6.06
Deutsch Angst Sermon
Da lese ich den Eu-Observer und stolpere über folgende Zeilen:
Usw. Man kennt ja die Leier. Nun aber sogar im progressiven Pessimismus bei 18krück anfangend:
Muss man da noch erwähnen, dass der Autor, Herr Jorgo Chatzimarkakis für Deutschland im Europaparlament sitzt. Es ist doch schade, wenn Kolportage eigenes Denken ersetzt. Unrealistisch-pessimistische Bedrohungslagen konstruieren (Waldsterben, Atomtod usw.) um etwas zu ändern, das scheint eine zentral deutsche Sache zu sein. Kassandra fällt mir auf den Wecker, wenn die Bedrohungslage nachgeplappert wird und man jeden Bezug zur empirischen Realität vermißt. Die Alternative gibt es natürlich auch, das muntere Schulterklopfen der Würdenträger, man denke an die "duale Ausbildung". Wie es in Zukunft gelingen kann zu einer realistischen Einschätzung der Lage und Reformfreundlichkeit zu kommen ohne die Mär vom Weltuntergang, das ist für mich eine der zentralen Krüxchen der Berliner Republik. Die Europäer jedoch sollten wir mit der deutschen Mentalität nicht überfordern. Sie könnten den Stimmungsmachern aus dem gefühlten Entwicklungslande ja glauben. Und das wäre nicht ungefährlich.
Yet Europe's leadership is under threat. Most European states have already launched sweeping reforms of their education systems to close the gap with the world's elites.
Usw. Man kennt ja die Leier. Nun aber sogar im progressiven Pessimismus bei 18krück anfangend:
Cars were invented by the Germans Daimler and Benz but the American firm Ford was the first to gain a big commercial success with his "Model T", the first best selling car.
Muss man da noch erwähnen, dass der Autor, Herr Jorgo Chatzimarkakis für Deutschland im Europaparlament sitzt. Es ist doch schade, wenn Kolportage eigenes Denken ersetzt. Unrealistisch-pessimistische Bedrohungslagen konstruieren (Waldsterben, Atomtod usw.) um etwas zu ändern, das scheint eine zentral deutsche Sache zu sein. Kassandra fällt mir auf den Wecker, wenn die Bedrohungslage nachgeplappert wird und man jeden Bezug zur empirischen Realität vermißt. Die Alternative gibt es natürlich auch, das muntere Schulterklopfen der Würdenträger, man denke an die "duale Ausbildung". Wie es in Zukunft gelingen kann zu einer realistischen Einschätzung der Lage und Reformfreundlichkeit zu kommen ohne die Mär vom Weltuntergang, das ist für mich eine der zentralen Krüxchen der Berliner Republik. Die Europäer jedoch sollten wir mit der deutschen Mentalität nicht überfordern. Sie könnten den Stimmungsmachern aus dem gefühlten Entwicklungslande ja glauben. Und das wäre nicht ungefährlich.
23.6.06
Fraud or hint?
Mexican Miguel Ángel Sánchez de Armas wants to discuss the "THE ROLE OF MASS MEDIA IN THE CONSTRUCTION OF DEMOCRATIC SOCIETIES" and you do not have to read the article. I did it.
Oh, a nice reference.
Little fraud makes sense. You can point your readers to good literature and say what you want. References make a text look scientific. Needless to say that Canetti does not advocate "that only in the measure in which the confession of a responsibility is achieved the convergence point between communication and democracy will be found that is, MM acknowledging their task, and the rest of society evaluating and acting in consequence, politically if necessary.". Does not matter. Canetti is a good essayist and worth to get read. And Sánchez de Armas read him and just messed up his Zettelkasten?! "Power and survival" is not about mass media. The convergence point between Canetti and Sanchez de Armas will be found.
I promise it.
Let us not enthrone MM [=Mass media] as champions of democracy, instead confer them their intrinsic responsibility: to inform society. Says Elías Canetti [10] that only in the measure in which the confession of a responsibility is achieved the convergence point between communication and democracy will be found that is, MM acknowledging their task, and the rest of society evaluating and acting in consequence, politically if necessary.
Oh, a nice reference.
10. Elías Canetti. “Power and survival” in The Conscience of the Words. Mexico, FCE. 1981.
Little fraud makes sense. You can point your readers to good literature and say what you want. References make a text look scientific. Needless to say that Canetti does not advocate "that only in the measure in which the confession of a responsibility is achieved the convergence point between communication and democracy will be found that is, MM acknowledging their task, and the rest of society evaluating and acting in consequence, politically if necessary.". Does not matter. Canetti is a good essayist and worth to get read. And Sánchez de Armas read him and just messed up his Zettelkasten?! "Power and survival" is not about mass media. The convergence point between Canetti and Sanchez de Armas will be found.
I promise it.
22.6.06
EU-Kommissar Figel für Mehrsprachigkeit
EU-Kommissar Figel setzt sich für Mehrsprachigkeit ein. Leider ist ausgerechnet sein Dokument nicht in allen Sprachen verfügbar. Hier zum Beispiel auf Englisch.
Die EU-Kommissarin Margot Wallström hat darauf reagiert. In ihrem Blog vertritt sie die Ansicht, dass man sich auf Englisch beschränken sollte, wie sie es selbst in ihrem Blog tut.
Es ist erstaunlich wie wenig der Wert der Mehrsprachigkeit bei der EU-Kommission geschätzt wird. Erst neulich schickte man mir eine Einladung nur in englischer und französischer Sprache. Da Deutsch eine Amtssprache ist, sehe ich nicht ein, wieso man auf die 20 Sprachen abhebt.
Wie Figel in einem Interview sagte:
Die EU-Kommissarin Margot Wallström hat darauf reagiert. In ihrem Blog vertritt sie die Ansicht, dass man sich auf Englisch beschränken sollte, wie sie es selbst in ihrem Blog tut.
Seriously, I write this blog in English because I can. If I had to write it in 20 (soon 23) languages it would no longer be me writing it (and it would take forever to publish and I would be accused of using up scarce translation resources in the Commission).
Denying that English is becoming the language for international communication is like denying that globalisation is happening.
Es ist erstaunlich wie wenig der Wert der Mehrsprachigkeit bei der EU-Kommission geschätzt wird. Erst neulich schickte man mir eine Einladung nur in englischer und französischer Sprache. Da Deutsch eine Amtssprache ist, sehe ich nicht ein, wieso man auf die 20 Sprachen abhebt.
Wie Figel in einem Interview sagte:
And these are significant costs because it means doing twice what we otherwise do once internally. These people should not lose contact with their countries or language roots.
19.6.06
Osnabrück ist Weltmeister
Osnabrück ist Weltmeister im Roboterfussball.
Was Klinsmanns Kicker erst noch erreichen wollen, haben die Osnabrücker Roboterfußballer bereits geschafft: Sie sind Fußball-Weltmeister. Beim RoboCup in Bremen, der offiziellen WM im Roboterfußball, setzten sich die »Brainstormers Tribots« der Universität Osnabrück gegen die harte Konkurrenz aus 36 Ländern durch. In der Middle Size Liga, bei der Roboter bis zu einer Größe von 80 Zentimetern dem Ball hinterher jagen, errangen sie im Finale am Sonntagnachmittag (18. Juni) mit 4: 2 gegen die Mannschaft »CoPS Stuttgart« den Weltmeistertitel.
18.6.06
17.6.06
Kreativität bei Arte
Heute gabe es bei Arte eine Dokumentation zum Thema Kreativität. Der Themenabend "Wenn es funkt im Kopfe".
Die beste Frage war, was Ideen töte.
Auf der Arte-Webseite gibt es auch einen Artikel "Von der Idee zum Patent" einer Journalistin namens Katja Dünnebacke. Leider ist der Artikel greenhornig und wirft einen Schatten auf die bei dem Sender gewohnte Qualität. Da hätte Rainer Osterwalder vom EPA, der die Quelle der unbedarften Autorin zu sein scheint, etwas mehr Sorgfalt walten lassen müssen. Das beginnt schon bei dem Unfug der Überschrift, dass "Ideen" patentierbar seien. Hat es eine öffentliche Institution wirklich nötig, ihre Interessen mit unredlicher Informationsarbeit zu verteidigen? Das alles wäre nicht schlimm, wenn nicht diese Wolke von kolportiertem Halbwissen antiaufklärerische Wirkung entfalten würde. Mit journalistischer Sorgfalt allein ist es auch nicht getan, Journalisten sind und wollen und sollen ja keine Experten sein, sondern Informationsvermittler. Eine öffentliche Institution, die wider besserem Wissen anschauliche Legenden über ihre Pressesprecher an Journalisten verbreitet, handelt demagogisch. Nun kann es sein, dass es auch Osterwalder nicht besser weiss, aber das entbindet eine Institution eben nicht der Verantwortung für ihre Informationspolitik. Ich denke deshalb, dass Herrn Osterwalder oder der EPO die Aufgabe zufällt, hier korrektere Informationsarbeit zu leisten.
Vor wenigen Tagen erst mailte mit jemand einen Link auf die AIPPI-Position, welche die Handschrift von PA Betten trug. Ich frage mich, ob es sich wirklich lohnt diese ad nauseam Überredungstexte zu kritisieren oder zu dokumentieren. Felipe erzählte vor einem Jahr, dass er Betten nach einem Vortrag angesprochen habe, warum er sowas erzähle, wo er es doch besser wissen müsse. Betten habe kurz gestutzt bei dieser ins Persönliche zielenden Frage.
Ich meine, man kann doch eine Position nach seiner Interessenlage auch sauber vertreten, und muss nicht in die Trickkiste der Überredung mit knackigen Halbwahrheiten greifen, die wiederholt werden. Das führt nämlich dazu, dass man als Diskussionspartner nicht mehr ernst genommen wird und Rückgrat verliert. Oder eine Diskussion in eine populistische Ecke abdriftet. Warum will ich das eigentlich nicht? Was ist daran falsch? F. Müller warf mir berechtigt vor, statt mit massentauglichen Botschaften erfolgreich zu sein, mit pseudointellektueller Analyse zu versanden. Was micht stört an Propaganda aller Art ist, dass sie trotz ihres Überredungserfolges das eigene Verständnis nicht vertieft oder korrigiert, und das gilt auch für die AIPPI-Position. Dabei will ich wohl verhindern, dass eine Debatte aus dem hermeneutischen Zirkel krepiert oder ins Wolkenland spiralisiert, weil mir beides zutiefst zuwider ist.
Ach so, wo wir grade im Wolkenland sind, habe ich erwähnt, dass der Dalai Lama auch seine Ansichten zum Besten gab in der tollen Arte-Doku? Das Beste war, dass all diese schönen Wahrheiten über Kreativität der interviewten Helden immer noch geistreicher waren als das, was im Zeichen der EU-Lissabonagenda für Innovation politisch diskutiert wird. Begeisterung und Inspiration. Oder im Tenor der Doku: Gremien und Konsens zerstören Ideen.
Danke, Arte!
Die beste Frage war, was Ideen töte.
Auf der Arte-Webseite gibt es auch einen Artikel "Von der Idee zum Patent" einer Journalistin namens Katja Dünnebacke. Leider ist der Artikel greenhornig und wirft einen Schatten auf die bei dem Sender gewohnte Qualität. Da hätte Rainer Osterwalder vom EPA, der die Quelle der unbedarften Autorin zu sein scheint, etwas mehr Sorgfalt walten lassen müssen. Das beginnt schon bei dem Unfug der Überschrift, dass "Ideen" patentierbar seien. Hat es eine öffentliche Institution wirklich nötig, ihre Interessen mit unredlicher Informationsarbeit zu verteidigen? Das alles wäre nicht schlimm, wenn nicht diese Wolke von kolportiertem Halbwissen antiaufklärerische Wirkung entfalten würde. Mit journalistischer Sorgfalt allein ist es auch nicht getan, Journalisten sind und wollen und sollen ja keine Experten sein, sondern Informationsvermittler. Eine öffentliche Institution, die wider besserem Wissen anschauliche Legenden über ihre Pressesprecher an Journalisten verbreitet, handelt demagogisch. Nun kann es sein, dass es auch Osterwalder nicht besser weiss, aber das entbindet eine Institution eben nicht der Verantwortung für ihre Informationspolitik. Ich denke deshalb, dass Herrn Osterwalder oder der EPO die Aufgabe zufällt, hier korrektere Informationsarbeit zu leisten.
Vor wenigen Tagen erst mailte mit jemand einen Link auf die AIPPI-Position, welche die Handschrift von PA Betten trug. Ich frage mich, ob es sich wirklich lohnt diese ad nauseam Überredungstexte zu kritisieren oder zu dokumentieren. Felipe erzählte vor einem Jahr, dass er Betten nach einem Vortrag angesprochen habe, warum er sowas erzähle, wo er es doch besser wissen müsse. Betten habe kurz gestutzt bei dieser ins Persönliche zielenden Frage.
Ich meine, man kann doch eine Position nach seiner Interessenlage auch sauber vertreten, und muss nicht in die Trickkiste der Überredung mit knackigen Halbwahrheiten greifen, die wiederholt werden. Das führt nämlich dazu, dass man als Diskussionspartner nicht mehr ernst genommen wird und Rückgrat verliert. Oder eine Diskussion in eine populistische Ecke abdriftet. Warum will ich das eigentlich nicht? Was ist daran falsch? F. Müller warf mir berechtigt vor, statt mit massentauglichen Botschaften erfolgreich zu sein, mit pseudointellektueller Analyse zu versanden. Was micht stört an Propaganda aller Art ist, dass sie trotz ihres Überredungserfolges das eigene Verständnis nicht vertieft oder korrigiert, und das gilt auch für die AIPPI-Position. Dabei will ich wohl verhindern, dass eine Debatte aus dem hermeneutischen Zirkel krepiert oder ins Wolkenland spiralisiert, weil mir beides zutiefst zuwider ist.
Ach so, wo wir grade im Wolkenland sind, habe ich erwähnt, dass der Dalai Lama auch seine Ansichten zum Besten gab in der tollen Arte-Doku? Das Beste war, dass all diese schönen Wahrheiten über Kreativität der interviewten Helden immer noch geistreicher waren als das, was im Zeichen der EU-Lissabonagenda für Innovation politisch diskutiert wird. Begeisterung und Inspiration. Oder im Tenor der Doku: Gremien und Konsens zerstören Ideen.
Danke, Arte!
15.6.06
messy website
Aus dem Transscript von Benjamin im Wiki
In der Tat, die EU-Parlamentswebsite ist eine Katastrophe. Dabei zeigen Dienste wie theyworkforyou im Vereinigten Königreich wie man es besser machen kann. Unnötig zu erwähnen, dass theyworkforyou auf Privatinitiative von britischen Programmierern beruht und keine offizielle Unterstützung erfahren hat. Ein vorbildlicher Dienst. Die europäischen Institutionen meinen dagegen mit PR-Überblicksartikeln ihre Webseiten bürgerfreundlicher zu gestalten, während das Relevante, hier parlamentarische mündliche Fragen, in der Datenbank für Eingeweihte und Hardnäckige vergraben wird.
== Todo
Get the written question from the EP messy website
In der Tat, die EU-Parlamentswebsite ist eine Katastrophe. Dabei zeigen Dienste wie theyworkforyou im Vereinigten Königreich wie man es besser machen kann. Unnötig zu erwähnen, dass theyworkforyou auf Privatinitiative von britischen Programmierern beruht und keine offizielle Unterstützung erfahren hat. Ein vorbildlicher Dienst. Die europäischen Institutionen meinen dagegen mit PR-Überblicksartikeln ihre Webseiten bürgerfreundlicher zu gestalten, während das Relevante, hier parlamentarische mündliche Fragen, in der Datenbank für Eingeweihte und Hardnäckige vergraben wird.
14.6.06
Pfiffige Ideen von ...pff!
Man hat seinen Spaß. Da haben wir einen Thinktank mit dem vertrauenserweckenden Namen Progress&Freedom Foundation (PFF). Und einen Mann wie James V. DeLong, der auch nicht ganz unbekannt sein sollte. Der schreibt
Gute Idee, aber leider nicht ganz neu. Wie Axel Horns anmerkt:
Und dann unterstellt Horns dem Verein Ziele, die er nicht hat. Diesen früheren Blogeintrag über den Pilch-Vorschlag zur Privatisierung der Untersuchung verlinkt er unter der Behauptung, der Verein wolle die Patentinstitutionen insgesamt auflösen:
Im Original, einer Ideenskizze im Wiki, steht dagegen:
In dem ersten Text von 2000, damals noch auf einem niedrigeren Niveau, wurde der Gedanke so formuliert:
[Polemik]Wieso denn Genauigkeit? Das verdirbt ja den ganzen Spaß an Attacken...[/Polemik]
Es bleibt zu untersuchen, was sich am Prüfungsprozess privatisieren und automatisieren läßt. In den USA fahren die Institutionen mit Volldampf gegen die Wand, das ist inzwischen auch ganz offiziell. Lösungen müssen also gefunden werden. Und da ist vermutlich von privatwirtschaftlichen Lösungen mehr zu erwarten als von einer herkömmlichen Reform. Schlanke Institutionen sind möglich. Die Entwicklung der letzten Jahre, massiv die Zahl der Prüfer aufzustocken, ist erstaunlich gegenläufig zur Personalentwicklung in anderen Bereichen der öffentlichen Hand oder Industrie und mangelt der Nachhaltigkeit. Ganz wie DeLong sagt:
Patent examination should be a business service, available, like express delivery, in whatever time frame you need and are willing to pay for. Increasingly, I doubt that this can be done within the framework of a government bureaucracy. Maybe PFF should start a political movement: Privatize Patents! It'll sweep the nation.
Gute Idee, aber leider nicht ganz neu. Wie Axel Horns anmerkt:
The reason why I am a bit stunned? Hm... er... well, I have read about such proposal some time ago. Nobody else than Mr. Pilch of FFII had brought it up.
Und dann unterstellt Horns dem Verein Ziele, die er nicht hat. Diesen früheren Blogeintrag über den Pilch-Vorschlag zur Privatisierung der Untersuchung verlinkt er unter der Behauptung, der Verein wolle die Patentinstitutionen insgesamt auflösen:
FFII finally intends to dissolve or phase out the EPO as well as national Patent Offices.
Im Original, einer Ideenskizze im Wiki, steht dagegen:
All this ... could even allow dissolution of the EPO and national patent offices.
In dem ersten Text von 2000, damals noch auf einem niedrigeren Niveau, wurde der Gedanke so formuliert:
Wich[t]ig ist das Ziel, internationale Behörden wie das Europäische Patentamt zurechenbar zu machen, zu verschlanken wenn nicht abzuschaffen. Statt fetter Behörden brauchen wir offene juristische Standards, die im Rahmen der national verankerten demokratischen Gewaltenteilung kontrolliert und ohne bürokratischen Aufwand internationalisiert werden können.
[Polemik]Wieso denn Genauigkeit? Das verdirbt ja den ganzen Spaß an Attacken...[/Polemik]
Es bleibt zu untersuchen, was sich am Prüfungsprozess privatisieren und automatisieren läßt. In den USA fahren die Institutionen mit Volldampf gegen die Wand, das ist inzwischen auch ganz offiziell. Lösungen müssen also gefunden werden. Und da ist vermutlich von privatwirtschaftlichen Lösungen mehr zu erwarten als von einer herkömmlichen Reform. Schlanke Institutionen sind möglich. Die Entwicklung der letzten Jahre, massiv die Zahl der Prüfer aufzustocken, ist erstaunlich gegenläufig zur Personalentwicklung in anderen Bereichen der öffentlichen Hand oder Industrie und mangelt der Nachhaltigkeit. Ganz wie DeLong sagt:
Patent examination should be a business service, ... I doubt that this can be done within the framework of a government bureaucracy.
AJAX wurmt Yahoo
Alle reden von AJAX und plötzlich ist *gähn* Javascript wieder en vogue. Wenig Gedanken macht man sich über das Thema Sicherheit bei AJAX, mal davon abgesehen, dass bei AJAX alles recht "Technology Preview"-mässig und wenig überraschend ist (da ist mir ja Java-Webstart noch lieber, mit Java kann man jedenfalls richtig coden).
Nun berichtet Tom's hardware guide:
Ei, wer hätte das gedacht... Das kann eine Ausrede sein für AJAX frei nach dem Motto "Wegen einer Ohrenentzündung kann heute unser Elefant leider nicht fliegen". Immer hübsch die Skalierbarkeit einer Technologie betrachten.
Nun berichtet Tom's hardware guide:
Il difetto più serio che si sta concretizzando negli ultimi mesi, però, riguarda la sicurezza. Una delle prime vittime è stato Yahoo Mail. Il worm Yamanner ha richiesto l’implementazione di contromisure per i server Yahoo che amministrano il mailing.
Ei, wer hätte das gedacht... Das kann eine Ausrede sein für AJAX frei nach dem Motto "Wegen einer Ohrenentzündung kann heute unser Elefant leider nicht fliegen". Immer hübsch die Skalierbarkeit einer Technologie betrachten.
Begrüßungständchen für den Präsidenten
LeMonde berichtet über Aktivitäten im Europaparlament:
Nächste Woche soll der US-Präsident zu einem Treffen in Wien kommen, und das Europaparlament hielt es für wichtig noch einmal kurz vorher die Schliessung des Lagers zu fordern. Wenn Herr Schulz nun konsequent ist, will er sogar Aktivitäten des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes in Europa unterbunden wissen. Das ist recht weitgehend, wenn es wörtlich zu nehmen sein sollte. Möglicherweise spielt er auf Public Diplomacy Aktivitäten an.
Le Parlement européen a réclamé, à une écrasante majorité, la fermeture de Guantanamo ... [MEP] M[artin]. Schulz [PSE leader] "attend des dirigeants européens qu'ils s'expriment non seulement sur Guantanamo, mais aussi sur les opérations de la CIA en Europe".
Nächste Woche soll der US-Präsident zu einem Treffen in Wien kommen, und das Europaparlament hielt es für wichtig noch einmal kurz vorher die Schliessung des Lagers zu fordern. Wenn Herr Schulz nun konsequent ist, will er sogar Aktivitäten des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes in Europa unterbunden wissen. Das ist recht weitgehend, wenn es wörtlich zu nehmen sein sollte. Möglicherweise spielt er auf Public Diplomacy Aktivitäten an.
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